In dieser Notlage entstand ein bizarres und moralisch fragwürdiges Geschäftsmodell: Menschen mit Aids, die oft nur noch wenige Wochen oder Monate zu leben hatten, verkauften ihre Lebensversicherungen an private Investor*innen. Diese zahlten einen Teil des Versicherungswertes, der mit dem Tod fällig wurde, – mal nur 30, mal 80 Prozent – sofort aus. Die Anleger*innen erhielten nach dem Tod der Versicherten dann die volle Versicherungssumme. Die Listen, in denen solche Policen zum Verkauf angeboten wurden, nannten nicht nur Auszahlungswert und Kaufpreis, sondern auch die T-Helferzellzahl der Versicherten sowie deren voraussichtliche Lebenserwartung. Ein in jeder Hinsicht makabres Geschäft und für die Investor*innen eine Wette auf den Tod.